Drei Monate Online-Yoga: kurze Bilanz

18.7.2020

Es gibt Vieles, das so in diesem Jahr nicht passiert wäre, hätte es nicht die Corona-Krise gegeben. Bestimmt hätte ich nicht während 5 1/2 Monaten von Zuhause aus gearbeitet. Online-Yoga hätte ich sicher auch nicht unterrichtet. Auch selber hätte ich mich nicht regelmässig in die Online-Stunden meiner Lehrer eingeloggt. Hier eine kurze Bilanz, was mir in zu dieser Unterrichtsform durch den Kopf ging.

Online-Yoga ist ein Mittel, um mit den Schüler*innen in Kontakt zu bleiben. Die Vorteile davon liegen auf der Hand:

  • Online-Yoga ist ortsunabhängig. Sowohl fürs Unterrichten als auch fürs Praktizieren spart es lange Wege. Einzige Voraussetzung sind 1-2 Quadratmeter auf dem Boden und eine funktionierende Internetverbindung.
  • Mangels klassischer Yoga-Hilfsmittel war für mich das Online-Yoga auch eine Möglichkeit, mit Alltagsgegenständen zu experimentieren. Warum nicht mal ein dickes Buch statt einen Klotz benutzen? Weichere und härtere Kissen oder eine leichte Decke finden sich in jedem Wohnzimmer. Auch eine Wand, ein Türrahmen oder ein Stuhl mit Lehne gibt es in jedem Zuhause. Als Yoga-Gurt geht auch ein fester Schal, eine Kordel oder ein Hosengurt. Als Lehrerin hat mich das Online-Yoga dazu inspiriert, Neues auszuprobieren und vielleicht auch in die Live-Praxis zurückfliessen zu lassen.
  • Auch technisch habe ich einiges dazu gelernt. So ist den Umgang mit Headset und Webcam mittlerweile selbstverständlich geworden. Man gewöhnt sich auch daran, ständig sein eigenes Bild zu sehen.

Gemerkt habe ich aber auch, dass nicht alle Übungen für Online-Yoga gleichermassen geeignet sind. Dinge, die eine Korrektur benötigen, eignen sich weniger. Die Korrektur übers Netz ist einfach zu umständlich und zu ungenau. Auch subtilere Dinge würde ich weniger online üben.

Echtes Yoga braucht den Kontakt zwischen den Praktizierenden und dem Lehrer. In dieser Beziehung liegt auch bei mir persönlich ein wichtiges Stück Motivation, um überhaupt weiter zu kommen. Als Lehrerin möchte ich Eure Gesichter und Körper sehen – nicht nur ein in die Höhe gestreckter Fuss, der in Briefmarkengrösse auf meinem Monitor zu sehen ist. Lieber als das Klick-Klick in meinem Headset ist mir, wenn ich Euren Atemfluss direkt wahrnehmen kann. Nur so kann ich seriös prüfen, ob die eingenommene Haltung für Euch stimmt.

Fazit: Online-Yoga ist für den gezielten Einsatz oder in speziellen Zeiten durchaus eine Alternative. Auf Dauer könnte es mich jedoch nicht halten.

Bewusst habe ich deshalb entschieden, nach den Sommerferien erst mal wieder ausschliesslich Live-Yoga anzubieten. Wenn nötig, werden wir die Klasse aufteilen.