Category Archives: Muskeln, Bänder & Knochen

Migräne, Du meine Freundin

05.01.2022

Foto: Pixabay

Liebe Migräne,

Dir einen Liebesbrief zu schreiben, wäre ja ein bisschen absurd. Was hast Du mir bereits an Lebenszeit genommen, an Spass verleidet. Ja sogar ganze Ferienwochen hast Du mir gründlich vermiest. Dir verdanke ich einsame Abende statt rauschende Feste, hämmernde Schmerzen, einen unsäglichen Nebel im Kopf und lähmende Übelkeit. Wegen Dir trinke ich keinen Alkohol und rauche nicht, auch wenn ich dazu manchmal Lust hätte. Warum sollte ich Dir also danke sagen?

Durch Dich lernte ich mich besser kennen. Lernte, die Art der muskulären Spannungen zu lesen, durch die du deine Attacken meistens ankündigst. Lernte, die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit zu nehmen. Meinen inneren Schweinehund zu überwinden, um zweimal in der Woche joggen zu gehen. Auch bei blödem Wetter, bis mein Knöchel dabei zu Bruch ging. Lernte, dass nichts selbstverständlich ist. Mit Dir begab ich mich auf Erkundungstour in die Welt der Neurologie und Komplementärtherapie. Fast nichts, was ich nicht probierte. So traf ich unter anderem auf eine nette Shiatsutherapeutin, die mir immer wieder gut zuredete, auf einen Masseur, der sich als Physiotherapeut ausgab, oder auf eine Akupunkteurin, die mich in der Pause auf der Liege vergass. Und auf viele weitere Menschen, die mich alle auf ihre Art ein Stückchen weiter brachten.

Mein Kopf besteht aus Haut, Schädelknochen und Membranen, durch die unzählige feine Nerven- und Blutbahnen führen. Seine Struktur hat mich schon immer fasziniert. Wann fühlt sich ein Kopf leicht an, welche Mechanismen müssen dafür im Gleichgewicht sein? Und wo genau kondensiert sich die Energie im Kopf, wenn er fast platzt, oder eben pocht, hämmert, wabert, schmerzt? So langsam fügte sich eins zum anderen als ich begann, einzelne Strukturen des Schädels zu zeichnen. Ist so ein Kopf nicht ein Wunderwerk der Natur?

Die Entdeckungsreise ist noch nicht zu Ende. Durch die Auseinandersetzung mit meinem Kopf lernte ich, die feinen Bewegungen der Schädelknochen gegen- und aneinander zu spüren. Ich bekam ein Gefühl für die Aktivität der vier Hirnventrikel, für die beiden Hirnhälften und für die Membran dazwischen. Jetzt weiss ich, was Falx und Tentorium sind, das foramen magnum oder der sinus rectus. Ich kenne die Hirnnerven, die Becker-Schritte, den Vault hold — und im Fachchinesisch werde ich immer besser. Auch ist mir nun klar, warum ich gerne Mützen trage, aber Helme absolut nicht mag. Mein Kopf braucht Freiheit! Und Bewegung.

Liebe Migräne, dank Dir bin ich noch bis im Herbst 2024 in einer 3-jährigen Ausbildung als Craniosacraltherapeutin am Dasein-Institut in Winterthur. Vielleicht werde ich eines Tages mit anderen Migräne-Betroffenen arbeiten. Und dann werde ich wissen, wie sich Deine fiesen Attacken jeweils anfühlen können.

Bei mir bist Du zum Glück ein seltener Gast geworden. Ab und zu kommst Du vorbei und erinnerst mich, dass es Dich noch gibt. Dann schlägst Du zu. Und erinnerst mich daran, was ich durch Dich alles erfahren und erleben durfte. So gesehen: Danke Dir, Migräne!

Bauchübungen: muss das wirklich sein?

02.01.2023

Foto: Pixabay

Gehörst Du auch zu den Menschen, die Bauchübungen nicht besonders mögen? Keine Sorge, Du bist nicht alleine. Aber: Regelmässige Übungen für die Körpermitte sind wichtig. Sie haben ganz konkrete Vorteile:

  • Dein Rücken bleibt stark und flexibel. Mit regelmässigem Bauchtraining kannst Du aktiv Rückenschmerzen vermeiden. Auch Rückenverletzungen gibt es deutlich weniger bei Personen, die moderat, aber regelmässig trainieren.
  • Rückenschmerzen oder Steifheit lassen nach, so dass Du Dich bequem bewegen und sitzen kannst. Auch Deine Schlafqualität kann sich durch regelmässige Bewegung verbessern.
  • Dein Gleichgewicht und Deine Stabilität wird stärker. So kannst Du unangenehme Stürze vermeiden.
  • Du kannst längere Spaziergänge machen — und dies mit grösserer Leichtigkeit.
  • Du erhältst die Kraft und Flexibilität zurück, die Du für alltägliche Bewegungen wie zum Beispiel Bücken, Drehen und Heben benötigst.
  • Du baust die nötige Kraft und Beweglichkeit auf, die Du auch im Beruf brauchst, zum Beispiel beim stundenlangen Stehen oder Sitzen am Schreibtisch.
  • Du hast mehr Kraft für Aktivitäten, die Dir Spass machen: Gartenarbeit, Wandern, Schwimmen — oder jede andere aktive Betätigung.
  • Deine Körperhaltung verbessert sich, Deine Figur wird optisch schöner und Deine Taille strafft sich.

Genug der Argumente? Jetzt musst Du es nur noch tun. Wie wir wissen, dauert es mindestens 48 Tage, bis ein gefasster Vorsatz zur Gewohnheit wird. Komme also regelmässig ins Yoga, nimm Dir dazwischen täglich einen kleinen Mini-Bewegungsvorsatz und lass Dich inspirieren. In unseren regelmässigen Stunden werde ich schauen, dass Deine Routine immer wieder neue Abwechslung bekommt.

Was ist Yogatherapie? Ein Überblick

09.05.2022

Yogatherapie
© 2015, Ivan Blanco Vilar

Im Unterschied zu «einfach Yoga» ist Yogatherapie die Anwendung der klassischen Yoga-Techniken auf konkrete Beschwerden. Das Wort «Therapie» meint üblicherweise die Behandlung von Krankheiten. Dabei nimmt der Klient oft eine eher passive Rolle ein. In der Yogatherapie hingegen arbeitet die zu behandelnde Klientin aktiv an der Verbesserung ihres Wohlbefindens mit.

Rückenweh, Schlaflosigkeit oder eine bevorstehende Knie-OP: Oft ist ein bestimmter Schmerz oder ein bestimmtes Problem der Grund, weshalb Leute in die Yogatherapie kommen. Und genau hier beginnt die gemeinsame Reise. Schmerz entsteht letztlich durch Nervenimpulse im Gehirn. Dabei können Betroffene oft mehr tun, als zunächst angenommen.

Zum Beispiel Knieschmerzen

Nehmen wir an, eine Klientin hat Knieschmerzen. Viele Ärzte hat sie deswegen schon konsultiert, viele Internetseiten besucht. Nun hat sie die Wahl. Sie kann sich mit den Knieschmerzen identifizieren. Also «diejenige mit dem kaputten Knie» sein. Und alle ihre Handlungen darauf ausrichten: auf das, was schmerzt, was kaputt ist und was «nicht mehr funktioniert». Eine andere Möglichkeit wäre, herauszufinden, welche Bewegungen sie trotz ihres schmerzenden Knies noch gut machen kann. Gibt es eine Möglichkeit für sie, sich schmerzfrei hinzusetzen? Und wieder aufzustehen? So lernt die Klientin neue, vielleicht für sie ungewohnte Bewegungen. Gleichzeitig konzentriert sie sich auf etwas Positives – und stärkt damit ihre Zuversicht.

Die Macht der Zuversicht

Yogatherapie kann nicht zaubern. Und manchal auch keine notwendige Operation ersetzen. Unzählige Studien belegen aber die heilende Wirkung echter, von innen heraus gewonnener Zuversicht. Wir haben die Wahl, uns entweder mit den Schmerzen zu identifizieren oder mit den noch vorhandenen Kompetenzen unseres Körpers. Viele Orthopäd*innen raten zudem allzu schnell zu einer Operation. In der Yogatherapie versuchen wir gezielt, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dies kann vor einer Operation sinnvoll sein, alternativ dazu, oder natürlich in der Nachsorge. Auch bei psychischen Krankheiten, Stress oder Schlaflosigkeit gibt es gute Erfolge mit Yogatherapie.

Es macht keinen Sinn, einmal pro Woche im Yogaunterricht die Wirbelsäule aufzurichten, um dann schon auf dem Weg nach Hause wieder in den gewohnten Rundrücken zu verfallen.

Kleine Gewohnheiten im Alltag

Egal um welches Symptom es sich handelt: Yogatherapie fängt mit dem Machbaren an. Ganz konkret nehmen wir auch die kleinen Alltagsbewegungen unter die Lupe, denen sonst niemand Beachtung schenkt . Wie stehst Du am Morgen auf? Wie setzt Du Dich auf den Stuhl? Wie stehst Du wieder auf?
Es macht keinen Sinn, einmal pro Woche im Yogaunterricht die Wirbelsäule aufzurichten, um dann schon auf dem Weg nach Hause wieder in den gewohnten Rundrücken zu verfallen. Wenn wir also damit anfangen, auch im Alltag unsere Bewegungen «therapeutisch» auszuführen, können wir viel erreichen. Neurologisch gesprochen arbeiten wir dann mit Neuroplastizität, also mit der Fähigkeit des Gehirns, sich so zu verändern, dass es optimal auf neue äusserliche Einflüsse und Anforderungen reagieren kann. Dabei werden auch neue Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen (Synapsen) gebildet. Indem wir uns also erlauben, aus den gewohnten Mustern der Alltagsbewegungen auszubrechen, erlauben wir auch unserem Nervensystem, sich weiterzuentwickeln.

10 funktionelle Fertigkeiten der Yogatherapie

In der Yogatherapie lernen wir also, uns neu – nach den eigenen Möglichkeiten – zu bewegen.  Wie sieht zum Beispiel eine gesunde Aufrichtung der Wirbelsäule aus? Welche Übungen helfen konkret, einem drohenden Bandscheibenvorfall entgegenzuwirken? Das Bewegungssystem braucht Bewegung, um gesund zu bleiben, «the locomotive system needs locomotion», sagen Günter Niessen und Katharina Lehmann. Zu ihrem Ansatz der Yogatherapie gehören die folgenden 10 funktionellen Dimensionen: Schmerzfreiheit, Achtsamkeit, Entspannung, positive Gefühle, Kraft und Ausdauer, Stabilität, Alignment (besonders unter Belastung), Mobilisation und Traktion, Bewegungsradius, Flexibilität, Koordination und Gleichgewicht, Kreativität sowie Entgiftung und Alltag. Dies mag zunächst alles banal klingen, ist aber sehr umfassend. Die meisten dieser Prinzipien haben eine Entsprechung in den Yoga sutra, einem zentralen Ursprungstext des Yoga,d er zwischen 800–1200 n.Chr. entstanden sein soll.

Bewegung für die Knochen

Schauen wir nun auf unser Bewegungssystem im Detail und beginnen wir bei den Knochen. Über 200 verschiedene Knochen bilden unser Stützsystem. Dabei ist dies keineswegs statisch. Rund 7 % unserer Knochen bilden sich jede Woche neu! Das Knochenmark ist gut durchblutet. Es ist für die Neubildung unserer Blutzellen verantwortlich und zu einem grossen Teil für unser Immunsystem. Knochen haben auch einen Einfluss auf unseren Stoffwechsel. Wollen wir unseren Knochen etwas Gutes tun, setzen wir sie einer gewissen Belastung aus, denn Druck ist der Bildungsreiz der Knochen.   

Im Yoga praktizieren wir deshalb zum Beispiel den Vierfüssler (Majariasana), den Hund (Adho mukha svanasana), den Stuhl (Utkatasana) oder verschiedene Stütz- und Standpositionen.

Knorpel brauchen Zug und Druck

Abhängig von der Durchblutung der angrenzenden Knochen sind die Knorpel. Sie wirken als Stossdämpfer und sorgen dafür, dass unsere Gelenke sich möglichst ohne Reibung bewegen können. Weil sie aber in der Belastungszone keine ernährenden Blutgefässe haben, sind sie eher zäh, träge und heilen schlecht. Ihre Nährstoffe beziehen sie durch Diffusion aus der Gelenkflüssigkeit. Dabei funktionieren unsere Knorpel wie ein Schwamm. Um gesund zu bleiben, brauchen sie nicht nur Druck, sondern auch Zug. Druck und Zug ist der Bildungsreiz der Knorpel.

Im Yoga bedeutet diese, dass wir unsere Gelenke auch mal unter Zug hängen lassen oder eben Zug und Druck auf die Gelenke ausüben.

Muskeln: Zwischen An- und Entspannung

Unsere rund 650 Muskeln sind verantwortlich für unsere Haltung, Kraft, Ausdauer und Stabilität. Ausserdem schützen sie uns vor Schmerz! Deshalb ist es sehr wichtig, sie regelmässig zu kräftigen. Und dies machen wir, indem wir sie regelmässig an- und auch wieder entspannen. Während in der Anspannungsphase die Durchblutung des Muskels gedrosselt wird, kann sich der Muskel in der Entspannung wieder mit Nährstoffen versorgen.

Im Yoga gehen wir deshalb bewusst nach einer anstrengenden Übung in eine kurze Entspannung. Dies macht auch aus physiologischer Sicht absolut Sinn.

Yoga – ein unerschöpflicher Schatz

Eine regelmässige, ausgeglichene Yogapraxis enthält Kraft-, Stabilisierungs-, und Entspannungsübungen. Sie ist ein schier unerschöpflicher Schatz, für Gesunde, aber auch für Menschen mit körperlichen oder psychischen Beschwerden. Auch aus Sicht der modernen Medizin hat Yoga auf dem Weg zur Heilung Einiges zu bieten. Wir müssen nur bereit sein, es zu entdecken.

Von Hingabe, Flows und Kohärenz

19.03.2021

Stress ist ansteckend – Kohärenz aber auch: https://www.heartmathdeutschland.de/stress-ist-ansteckend-kohaerenz-aber-auch/

Was passiert eigentlich im Hirn, wenn wir glücklich sind? Uns was braucht es, um diesen Zustand zu erreichen? Der Neurobiologe Gerald Hüther sprach vor Kurzem dazu auf dem Flow! Online-Summit 2021.

Gerald Hüther über das Glücksgefühl “Flow”, März 2021

Wir Menschen sind und bleiben ja alle Suchende. Wir müssen erst herausfinden, worauf es für ein gelingendes und glückliches Leben ankommt. Dabei laufen wir ständig Gefahr, uns in uns selbst und mit anderen zu verwickeln. Oder uns gar auf dieser Suche zu verirren. Auch ich habe mich in meinem Leben oft genug geirrt und verwickelt, aber wie sonst hätte ich lernen können, mich daraus auch immer wieder zu befreien?

https://www.gerald-huether.de/

Der Zungenbeinmuskel: ein Muskel für den Flügelschlag?

02.10.2020

Von modified by Uwe Gille – Gray386.png, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2630152

Der Zungenbeinmuskel (Musculus Omohyoideus, rot markiert), verläuft vom Boden des Mundes, also unter der Zunge, bis zu den Schulterblättern. Soweit nichts besonders. Und doch gibt es um diesen Muskel eine faszinierende Geschichte. Um sie besser zu verstehen, lohnt sich ein Ausflug in die Evolution: Als unsere Vorfahren noch als Flugsaurier unterwegs waren, soll genau dieser Muskel für den Flügelschlag zuständig gewesen sein. Ob wir also tatsächlich immer noch ein Relikt dieses Flügelmuskels in uns tragen?

Foto: Pixabay

Der Omohyoideus mag für die Balance des Unterkiefers und der Schulter einen kleinen Beitrag leisten. Aber oft ist er vor allem als Störenfried an der Schulter aktiv. Er gehört daher zu den Muskeln, die bei der Behandlung von Nacken- und Schulterproblemen beachtet werden müssen. Er ist nämlich oft verspannt. Vielleicht sollten wir einfach alle ein bisschen öfter fliegen? Und die Energie des Muskels freisetzen.

Das Reptiliengehirn ist schuld

11.9.2020

Foto: Pixabay

Ein unkontrollierter Wutausbruch? Panikattacke? Schweissausbruch? Vielleicht ist Dein Reptiliengehirn schuld daran. Nun aber etwas genauer: Was in aller Welt haben wir mit einem Reptil gemeinsam?

Die Evolution hat einen grossen Umbau geleistet, um uns zu dem zu machen, was wir heute sind. Die Frage ist nun, wie genau sich unser Gehirn entwickelt hat. Forscherinnen und Forscher diskutieren schon seit Längerem über Areale unseres Gehirns, deren Wurzeln weit in die Vorzeit der menschlichen Evolution zurückreichen. So soll das “Reptilienhirn” ein solches Überbleibsel sein und beim Menschen absolut unkontrollierbare Emotionen auslösen.

Das Modell des “Triune Brain” von Paul McLean

Ein Verfechter des sogenannten Reptiliengehirns ist der Hirnforscher Paul MacLean. Der amerikanische Wissenschaflter hat sich an der Evolution orientiert und die Hirnareale bereits in den frühen 60er-Jahren in drei Regionen aufgeteilt:

  • Der Hirnstamm und das Zwischenhirn gehören für MacLean zum “protoreptilischen Gehirn“, kurz Reptilienhirn. Dieses sei die niedrigste und stammesgeschichtlich älteste Form des Gehirns. Es steuere angeborene Instinkte, besitze nur bedingte Lernfähigkeit und ermögliche noch kein Sozialverhalten.
  • Das limbische System sei ein „Versuch“ der Natur, ein individuelles Bewusstsein zu entwickeln, Gedächtnisinhalte zu bilden, die ausserdem auch affektiv und emotional gefärbt sein können.
  • Erst durch den Neokortex seien wir in der Lage, kognitiv und logisch zu denken und die Affekte und Impulse des limbischen Systems zu kontrollieren.
https://traumata-verstehen-lernen.jimdofree.com/trauma-und-k%C3%B6rper/trauma-und-gehirn/

Umstrittene Theorie

Diese Aufteilung von Mc Lean hat sich in der Wissenschaft nicht gehalten. Die Datenlage zeige, dass auch die frühesten Säugetiere bereits einen Neocortex entwickelt hätten und zum Beispiel Vögel und Reptilien dem Neocortex ähnliche Gehirnregionen hätten, schreibt Wikipedia. Wohlgemerkt sind die kognitiven Leistungen mancher Vögel, etwa in der Sprache oder der Werkzeugherstellung, nicht geringer als bei Menschenaffen.

Was ist also dran an der Vorstellung des Reptiliengehirns? Die Vorstellung, dass verschiedene Areale unseres Gehirns für verschiedene Funktionen zuständig sind, ist gar nicht so falsch. MacLeans chronologische Vorstellung der Evolution unseres Gehirns ist aber streng wissenschaftlich widerlegt. Klar ist: Unser Gehirn hat sich entwickelt und wird sich auch in Zukunft weiter entwickeln. Der Umgang mit unseren Emotionen wird dabei ein Thema bleiben.

Von der Mobilität und der Motilität der Organe

23.8.2020

Nicht nur unser Körper bewegt sich. Auch unsere Organe. Dabei gibt es zwei Grundformen der Organbewegung – die sogenannte Mobilität und die Motilität.

Kommen wir zunächst zur Mobilität: Beim Atmen schiebt unser Zwerchfell die Organe entlang einer festgelegten Achse hin und her. Diese Organbewegung sieht der Arzt zum Beispiel auf einem Ultraschallbild.

Bei der Motilität ist etwas ganz anderes gemeint. Diese Bewegung wurde vom französischen Osteopathen Jean-Pierre Barral entdeckt. Er beobachtete, dass sich Organe auch unabhängig von der Atmung subtil bewegen. Diese Bewegung folgt einem gewissen Grundrhythmus. Sie schiebt die Organe entweder auf die Körperachse zu oder von ihr weg. Ihr Rhythmus und ihre Amplitude sind völlig unabhängig von unserer Atembewegung.

https://youtu.be/yRpJvPpJGsM

Wir können diese Bewegung mit unseren Händen nur spüren, wenn wir mit dem jeweiligen Organ Kontakt aufnehmen. Jean-Pierre Barral hat auf dieser Entdeckung seine “viszerale Osteopathie” aufgebaut.

Unsere Schultern – ein Barometer für Anspannung?

16.8.2020

Du hast einen strengen Tag, ein schwieriges Gespräch steht Dir bevor oder Du bist einfach nervös. Und dann entspannst Du Dich: Du rollst Deine Schultern sanft nach unten, hinten, innen und Du atmest durch. Es fällt auf: Unsere Schultern sind für Emotionen anfällig. Warum nur nehmen wir Anspannung oft zuerst in den Schultern wahr?

Die Schulter ist unser beweglichstes Gelenk. Eine derart ausgeprägte Beweglichkeit macht für spontane Anpannung durchlässig. Wäre die Schulter so stabil wie die Hüfte, würde sie Spannungen, die anderswo im Körper ihren Ursprung haben, nicht so direkt übernehmen. Unsere Hüften sind in sehr stabile Bänder eingepackt. Diese machen das Gelenk fest und stark – schliesslich müssen wir auf zwei Beinen stehen können. Ein solches Gewicht wie die Hüften müssen unsere Schultern nicht tragen. Bei den vierbeinigen Primaten beispielsweise ist das anders.

Leichte Schultern, leichter Kiefer


Seit der Entwicklung des aufrechten Gangs sind beim Menschen die Schultergelenke immer “luftiger” geworden. Ebenso der Kiefer: Während der Evolution hat sich der Gesichtsschädel vom Oberkiefer bis zur unteren Partie der Augen zu einer Art “Leichtbauweise” entwickelt. Schultern und Kiefer wurden im Lauf der Zeit nicht nur feiner, sondern auch sehr viel leichter. Deshalb sind sie auch so sensibel – und ein guter Barometer für unser aktuelles Wohlbefinden.

Ob wir “eine schwere Last auf den Schultern tragen”, oder ob wir uns “durch etwas durchbeissen”: Diese Redewendungen sind kein Zufall. Unser Organismus bringt unsere emotionale Verfassung recht schnell über die Haltung der Schultern und über muskuläre Spannung im Kiefer zum Ausdruck. Wird eine solche Anspannung chronisch, kann sie sich im Körper auch für längere Zeit festsetzen.

Bewegen: ja! Aber wie genau? Wie oft? Wie stark?

5.8.2020

https://www.publicdomainpictures.net/de/view-image.php?image=20381&picture=dehnung

Bewegung soll ja gesund sein. Warum nur gibt es denn so viele Leute, die sich viel bewegen, und trotzdem Schmerzen haben?

Bewegen ist eben nicht nur bewegen. Ein intensiver Sport zum Beispiel kann die Spannung im Körper verstärken. Zu viel Dehnung hingegen kann auf Dauer Bänder und Gelenke schädigen. Anstatt Kraft und Flexibilität zu steigern, macht Überdehnung instabil und verletzungsanfällig. Es kommt also auf das Mass der Bewegung an, die Intensität und natürlich auch die Vielfalt.

Peter Schwind ist Rolfer und Heilpraktiker. In seinem Buch “Faszien- Gewebe des Lebens” plädiert er für ein speziell entwickeltes Faszien-Training. Damit spricht er unter anderem gezielt auch ältere Menschen an.

“Wenn wir verstehen, was im Alter mit wirklich allen Faszien geschieht, wird uns einleuchten, weshalb ein Übungssystem für die Faszien so wichtig ist. Bewegung der Muskeln ist gut für den alten Menschen. Muskelstärkung alleine ist aber nicht genug. Und zwar deshalb, weil die Stärkung der Muskeln unter Umständen den Körper noch mehr unter Druck bringt. Die Kombination Muskelstärkung und Steigerung der Faszienelastizität kann uns da weiterhelfen.

In diesem Zusammenhang sollten wir nicht vergessen, dass es sehr wichtig ist, zu welcher Art Sport wir uns entscheiden. Wir wissen bereits, dass beim Fasziensystem wie beim Nervensystem alles mit allem zusammenhängt. Aber es gibt Unterschiede, wie sich eine gute Spannung und eine destruktive Spannung im Rücken manifestieren, und Sport verändert die Spannung im Körper.”

Peter Schwind: Faszien, Gewebe des Lebens. Irisiana Verlag, 2014, S. 44

Die Thymusdrüse & ein Dank an unser Immunsystem

26.7.2020

Die Thymusdrüse liegt hinter dem Brustbein. Sie ist ein zweilappiges Organ, bei Neugeborenen zum Beispiel ist jeder Lappen ca. 6 cm lang und 2 cm breit. Als Organ des lymphatischen Systems produziert die Thymusdrüse weisse Blutzellen für die Immunabwehr (T-Lymphozyten).

Bereits in unserer Kindheit und Jugend wird in der Thymusdrüse die Basis für eine gesunde Immunabwehr gelegt: Die T-Lymphozyten (T-Zellen) lernen hier, körpereigene von körperfremden Strukturen zu unterscheiden. Nur so können Sie später Eindringlinge angreifen und Krankheiten abwehren.

Schule der Körperpolizei

Die Thymusdrüse also ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Wegen seiner Funktion wird der Thymus auch “Schule der Körperpolizei” genannt. Die Abwehrzellen werden im Knochenmark gebildet. Nachdem Sie den Thymus erfolgreich durchlaufen haben, gelangen sie in den Blutkreislauf und nehmen dort ihre Arbeit auf.

Doch diese “Schule der Körperpolizei” ist nur eine Schule auf Zeit. Zwar nimmt die Thymusdrüse bereits vor der Geburt des Menschen ihre Arbeit auf. Sie wächst bis zur Pubertät und erreicht ein Maximalgewicht von 50 Gramm. Danach beginnt der Thymus sich stark zurückzubilden und sein Gewebe wird durch funktionsloses Fettgewebe ersetzt. Die Ausbildung der Immunabwehr-Zellen ist zu diesem Zeitpunkt so gut wie abgeschlossen. Das Lymphsystem und die Milz übernehmen dann die Aufgaben der Drüse.

Die Thymusdrüse klopfen – was bringt das?

Manche Menschen sprechen davon, dass durch Klopfen die Thymusdrüse wieder “aufwacht”. Ob dadurch ein Organ, was sich zurückgebildet hat, tatsächlich reaktiviert werden kann, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Klar ist auf jeden Fall, dass wir dem Thymus viel zu verdanken haben.

Wenn wir also mit den Fingerspitzen sanft auf unser Brustbein klopfen, bringen wir unser Thymus-Gewebe in Schwingung. Was das bringt? Probiere es aus! Übrigens: Schon die alten Griechen sahen einen Zusammenhang zwischen Thymusdrüse und Lebensenergie. Das griechische Wort “Thymos” heisst übersetzt Lebenskraft, Leben, Seele, Gemüt. Erinnern wir uns also an diese Drüse und bringen sie sanft in Schwingung.