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Was ist Yogatherapie? Ein Überblick

09.05.2022

Yogatherapie
© 2015, Ivan Blanco Vilar

Im Unterschied zu «einfach Yoga» ist Yogatherapie die Anwendung der klassischen Yoga-Techniken auf konkrete Beschwerden. Das Wort «Therapie» meint üblicherweise die Behandlung von Krankheiten. Dabei nimmt der Klient oft eine eher passive Rolle ein. In der Yogatherapie hingegen arbeitet die zu behandelnde Klientin aktiv an der Verbesserung ihres Wohlbefindens mit.

Rückenweh, Schlaflosigkeit oder eine bevorstehende Knie-OP: Oft ist ein bestimmter Schmerz oder ein bestimmtes Problem der Grund, weshalb Leute in die Yogatherapie kommen. Und genau hier beginnt die gemeinsame Reise. Schmerz entsteht letztlich durch Nervenimpulse im Gehirn. Dabei können Betroffene oft mehr tun, als zunächst angenommen.

Zum Beispiel Knieschmerzen

Nehmen wir an, eine Klientin hat Knieschmerzen. Viele Ärzte hat sie deswegen schon konsultiert, viele Internetseiten besucht. Nun hat sie die Wahl. Sie kann sich mit den Knieschmerzen identifizieren. Also «diejenige mit dem kaputten Knie» sein. Und alle ihre Handlungen darauf ausrichten: auf das, was schmerzt, was kaputt ist und was «nicht mehr funktioniert». Eine andere Möglichkeit wäre, herauszufinden, welche Bewegungen sie trotz ihres schmerzenden Knies noch gut machen kann. Gibt es eine Möglichkeit für sie, sich schmerzfrei hinzusetzen? Und wieder aufzustehen? So lernt die Klientin neue, vielleicht für sie ungewohnte Bewegungen. Gleichzeitig konzentriert sie sich auf etwas Positives – und stärkt damit ihre Zuversicht.

Die Macht der Zuversicht

Yogatherapie kann nicht zaubern. Und manchal auch keine notwendige Operation ersetzen. Unzählige Studien belegen aber die heilende Wirkung echter, von innen heraus gewonnener Zuversicht. Wir haben die Wahl, uns entweder mit den Schmerzen zu identifizieren oder mit den noch vorhandenen Kompetenzen unseres Körpers. Viele Orthopäd*innen raten zudem allzu schnell zu einer Operation. In der Yogatherapie versuchen wir gezielt, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dies kann vor einer Operation sinnvoll sein, alternativ dazu, oder natürlich in der Nachsorge. Auch bei psychischen Krankheiten, Stress oder Schlaflosigkeit gibt es gute Erfolge mit Yogatherapie.

Es macht keinen Sinn, einmal pro Woche im Yogaunterricht die Wirbelsäule aufzurichten, um dann schon auf dem Weg nach Hause wieder in den gewohnten Rundrücken zu verfallen.

Kleine Gewohnheiten im Alltag

Egal um welches Symptom es sich handelt: Yogatherapie fängt mit dem Machbaren an. Ganz konkret nehmen wir auch die kleinen Alltagsbewegungen unter die Lupe, denen sonst niemand Beachtung schenkt . Wie stehst Du am Morgen auf? Wie setzt Du Dich auf den Stuhl? Wie stehst Du wieder auf?
Es macht keinen Sinn, einmal pro Woche im Yogaunterricht die Wirbelsäule aufzurichten, um dann schon auf dem Weg nach Hause wieder in den gewohnten Rundrücken zu verfallen. Wenn wir also damit anfangen, auch im Alltag unsere Bewegungen «therapeutisch» auszuführen, können wir viel erreichen. Neurologisch gesprochen arbeiten wir dann mit Neuroplastizität, also mit der Fähigkeit des Gehirns, sich so zu verändern, dass es optimal auf neue äusserliche Einflüsse und Anforderungen reagieren kann. Dabei werden auch neue Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen (Synapsen) gebildet. Indem wir uns also erlauben, aus den gewohnten Mustern der Alltagsbewegungen auszubrechen, erlauben wir auch unserem Nervensystem, sich weiterzuentwickeln.

10 funktionelle Fertigkeiten der Yogatherapie

In der Yogatherapie lernen wir also, uns neu – nach den eigenen Möglichkeiten – zu bewegen.  Wie sieht zum Beispiel eine gesunde Aufrichtung der Wirbelsäule aus? Welche Übungen helfen konkret, einem drohenden Bandscheibenvorfall entgegenzuwirken? Das Bewegungssystem braucht Bewegung, um gesund zu bleiben, «the locomotive system needs locomotion», sagen Günter Niessen und Katharina Lehmann. Zu ihrem Ansatz der Yogatherapie gehören die folgenden 10 funktionellen Dimensionen: Schmerzfreiheit, Achtsamkeit, Entspannung, positive Gefühle, Kraft und Ausdauer, Stabilität, Alignment (besonders unter Belastung), Mobilisation und Traktion, Bewegungsradius, Flexibilität, Koordination und Gleichgewicht, Kreativität sowie Entgiftung und Alltag. Dies mag zunächst alles banal klingen, ist aber sehr umfassend. Die meisten dieser Prinzipien haben eine Entsprechung in den Yoga sutra, einem zentralen Ursprungstext des Yoga,d er zwischen 800–1200 n.Chr. entstanden sein soll.

Bewegung für die Knochen

Schauen wir nun auf unser Bewegungssystem im Detail und beginnen wir bei den Knochen. Über 200 verschiedene Knochen bilden unser Stützsystem. Dabei ist dies keineswegs statisch. Rund 7 % unserer Knochen bilden sich jede Woche neu! Das Knochenmark ist gut durchblutet. Es ist für die Neubildung unserer Blutzellen verantwortlich und zu einem grossen Teil für unser Immunsystem. Knochen haben auch einen Einfluss auf unseren Stoffwechsel. Wollen wir unseren Knochen etwas Gutes tun, setzen wir sie einer gewissen Belastung aus, denn Druck ist der Bildungsreiz der Knochen.   

Im Yoga praktizieren wir deshalb zum Beispiel den Vierfüssler (Majariasana), den Hund (Adho mukha svanasana), den Stuhl (Utkatasana) oder verschiedene Stütz- und Standpositionen.

Knorpel brauchen Zug und Druck

Abhängig von der Durchblutung der angrenzenden Knochen sind die Knorpel. Sie wirken als Stossdämpfer und sorgen dafür, dass unsere Gelenke sich möglichst ohne Reibung bewegen können. Weil sie aber in der Belastungszone keine ernährenden Blutgefässe haben, sind sie eher zäh, träge und heilen schlecht. Ihre Nährstoffe beziehen sie durch Diffusion aus der Gelenkflüssigkeit. Dabei funktionieren unsere Knorpel wie ein Schwamm. Um gesund zu bleiben, brauchen sie nicht nur Druck, sondern auch Zug. Druck und Zug ist der Bildungsreiz der Knorpel.

Im Yoga bedeutet diese, dass wir unsere Gelenke auch mal unter Zug hängen lassen oder eben Zug und Druck auf die Gelenke ausüben.

Muskeln: Zwischen An- und Entspannung

Unsere rund 650 Muskeln sind verantwortlich für unsere Haltung, Kraft, Ausdauer und Stabilität. Ausserdem schützen sie uns vor Schmerz! Deshalb ist es sehr wichtig, sie regelmässig zu kräftigen. Und dies machen wir, indem wir sie regelmässig an- und auch wieder entspannen. Während in der Anspannungsphase die Durchblutung des Muskels gedrosselt wird, kann sich der Muskel in der Entspannung wieder mit Nährstoffen versorgen.

Im Yoga gehen wir deshalb bewusst nach einer anstrengenden Übung in eine kurze Entspannung. Dies macht auch aus physiologischer Sicht absolut Sinn.

Yoga – ein unerschöpflicher Schatz

Eine regelmässige, ausgeglichene Yogapraxis enthält Kraft-, Stabilisierungs-, und Entspannungsübungen. Sie ist ein schier unerschöpflicher Schatz, für Gesunde, aber auch für Menschen mit körperlichen oder psychischen Beschwerden. Auch aus Sicht der modernen Medizin hat Yoga auf dem Weg zur Heilung Einiges zu bieten. Wir müssen nur bereit sein, es zu entdecken.

Von Hingabe, Flows und Kohärenz

19.03.2021

Stress ist ansteckend – Kohärenz aber auch: https://www.heartmathdeutschland.de/stress-ist-ansteckend-kohaerenz-aber-auch/

Was passiert eigentlich im Hirn, wenn wir glücklich sind? Uns was braucht es, um diesen Zustand zu erreichen? Der Neurobiologe Gerald Hüther sprach vor Kurzem dazu auf dem Flow! Online-Summit 2021.

Gerald Hüther über das Glücksgefühl “Flow”, März 2021

Wir Menschen sind und bleiben ja alle Suchende. Wir müssen erst herausfinden, worauf es für ein gelingendes und glückliches Leben ankommt. Dabei laufen wir ständig Gefahr, uns in uns selbst und mit anderen zu verwickeln. Oder uns gar auf dieser Suche zu verirren. Auch ich habe mich in meinem Leben oft genug geirrt und verwickelt, aber wie sonst hätte ich lernen können, mich daraus auch immer wieder zu befreien?

https://www.gerald-huether.de/

Der Zungenbeinmuskel: ein Muskel für den Flügelschlag?

2.10.2020

Foto: Pixabay

Der Zungenbeinmuskel (Musculus Omohyoideus), verläuft vom Boden des Mundes, also unter der Zunge, bis zu den Schulterblättern. Um seine Funktion zu erkennen, lohnt sich ebenfalls ein Ausflug in die Evolution: Als unsere Vorfahren noch als Flugsaurier unterwegs waren, soll genau dieser Muskel für den Flügelschlag zuständig gewesen sein. Ob wir also tatsächlich immer noch ein Relikt dieses Flügelmuskels in uns tragen? Schauen wir kurz auf seine Funktion: Der Omohyoideus mag für die Balance des Unterkiefers und der Schulter einen kleinen Beitrag leisten. Aber oft ist er vor allem als Störenfried an der Schulter aktiv. Er gehört daher zu den Muskeln, die bei der Behandlung von Nacken- und Schulterproblemen beachtet werden müssen.

Das Reptiliengehirn ist schuld

11.9.2020

Foto: Pixabay

Ein unkontrollierter Wutausbruch? Panikattacke? Schweissausbruch? Vielleicht ist Dein Reptiliengehirn schuld daran. Nun aber etwas genauer: Was in aller Welt haben wir mit einem Reptil gemeinsam?

Die Evolution hat einen grossen Umbau geleistet, um uns zu dem zu machen, was wir heute sind. Die Frage ist nun, wie genau sich unser Gehirn entwickelt hat. Forscherinnen und Forscher diskutieren schon seit Längerem über Areale unseres Gehirns, deren Wurzeln weit in die Vorzeit der menschlichen Evolution zurückreichen. So soll das “Reptilienhirn” ein solches Überbleibsel sein und beim Menschen absolut unkontrollierbare Emotionen auslösen.

Das Modell des “Triune Brain” von Paul McLean

Ein Verfechter des sogenannten Reptiliengehirns ist der Hirnforscher Paul MacLean. Der amerikanische Wissenschaflter hat sich an der Evolution orientiert und die Hirnareale bereits in den frühen 60er-Jahren in drei Regionen aufgeteilt:

  • Der Hirnstamm und das Zwischenhirn gehören für MacLean zum “protoreptilischen Gehirn“, kurz Reptilienhirn. Dieses sei die niedrigste und stammesgeschichtlich älteste Form des Gehirns. Es steuere angeborene Instinkte, besitze nur bedingte Lernfähigkeit und ermögliche noch kein Sozialverhalten.
  • Das limbische System sei ein „Versuch“ der Natur, ein individuelles Bewusstsein zu entwickeln, Gedächtnisinhalte zu bilden, die ausserdem auch affektiv und emotional gefärbt sein können.
  • Erst durch den Neokortex seien wir in der Lage, kognitiv und logisch zu denken und die Affekte und Impulse des limbischen Systems zu kontrollieren.
https://traumata-verstehen-lernen.jimdofree.com/trauma-und-k%C3%B6rper/trauma-und-gehirn/

Umstrittene Theorie

Diese Aufteilung von Mc Lean hat sich in der Wissenschaft nicht gehalten. Die Datenlage zeige, dass auch die frühesten Säugetiere bereits einen Neocortex entwickelt hätten und zum Beispiel Vögel und Reptilien dem Neocortex ähnliche Gehirnregionen hätten, schreibt Wikipedia. Wohlgemerkt sind die kognitiven Leistungen mancher Vögel, etwa in der Sprache oder der Werkzeugherstellung, nicht geringer als bei Menschenaffen.

Was ist also dran an der Vorstellung des Reptiliengehirns? Die Vorstellung, dass verschiedene Areale unseres Gehirns für verschiedene Funktionen zuständig sind, ist gar nicht so falsch. MacLeans chronologische Vorstellung der Evolution unseres Gehirns ist aber streng wissenschaftlich widerlegt. Klar ist: Unser Gehirn hat sich entwickelt und wird sich auch in Zukunft weiter entwickeln. Der Umgang mit unseren Emotionen wird dabei ein Thema bleiben.

Von der Mobilität und der Motilität der Organe

23.8.2020

Nicht nur unser Körper bewegt sich. Auch unsere Organe. Dabei gibt es zwei Grundformen der Organbewegung – die sogenannte Mobilität und die Motilität.

Kommen wir zunächst zur Mobilität: Beim Atmen schiebt unser Zwerchfell die Organe entlang einer festgelegten Achse hin und her. Diese Organbewegung sieht der Arzt zum Beispiel auf einem Ultraschallbild.

Bei der Motilität ist etwas ganz anderes gemeint. Diese Bewegung wurde vom französischen Osteopathen Jean-Pierre Barral entdeckt. Er beobachtete, dass sich Organe auch unabhängig von der Atmung subtil bewegen. Diese Bewegung folgt einem gewissen Grundrhythmus. Sie schiebt die Organe entweder auf die Körperachse zu oder von ihr weg. Ihr Rhythmus und ihre Amplitude sind völlig unabhängig von unserer Atembewegung.

https://youtu.be/yRpJvPpJGsM

Wir können diese Bewegung mit unseren Händen nur spüren, wenn wir mit dem jeweiligen Organ Kontakt aufnehmen. Jean-Pierre Barral hat auf dieser Entdeckung seine “viszerale Osteopathie” aufgebaut.

Unsere Schultern – ein Barometer für Anspannung?

16.8.2020

Du hast einen strengen Tag, ein schwieriges Gespräch steht Dir bevor oder Du bist einfach nervös. Und dann entspannst Du Dich: Du rollst Deine Schultern sanft nach unten, hinten, innen und Du atmest durch. Es fällt auf: Unsere Schultern sind für Emotionen anfällig. Warum nur nehmen wir Anspannung oft zuerst in den Schultern wahr?

Die Schulter ist unser beweglichstes Gelenk. Eine derart ausgeprägte Beweglichkeit macht für spontane Anpannung durchlässig. Wäre die Schulter so stabil wie die Hüfte, würde sie Spannungen, die anderswo im Körper ihren Ursprung haben, nicht so direkt übernehmen. Unsere Hüften sind in sehr stabile Bänder eingepackt. Diese machen das Gelenk fest und stark – schliesslich müssen wir auf zwei Beinen stehen können. Ein solches Gewicht wie die Hüften müssen unsere Schultern nicht tragen. Bei den vierbeinigen Primaten beispielsweise ist das anders.

Leichte Schultern, leichter Kiefer


Seit der Entwicklung des aufrechten Gangs sind beim Menschen die Schultergelenke immer “luftiger” geworden. Ebenso der Kiefer: Während der Evolution hat sich der Gesichtsschädel vom Oberkiefer bis zur unteren Partie der Augen zu einer Art “Leichtbauweise” entwickelt. Schultern und Kiefer wurden im Lauf der Zeit nicht nur feiner, sondern auch sehr viel leichter. Deshalb sind sie auch so sensibel – und ein guter Barometer für unser aktuelles Wohlbefinden.

Ob wir “eine schwere Last auf den Schultern tragen”, oder ob wir uns “durch etwas durchbeissen”: Diese Redewendungen sind kein Zufall. Unser Organismus bringt unsere emotionale Verfassung recht schnell über die Haltung der Schultern und über muskuläre Spannung im Kiefer zum Ausdruck. Wird eine solche Anspannung chronisch, kann sie sich im Körper auch für längere Zeit festsetzen.

Bewegen: ja! Aber wie genau? Wie oft? Wie stark?

5.8.2020

https://www.publicdomainpictures.net/de/view-image.php?image=20381&picture=dehnung

Bewegung soll ja gesund sein. Warum nur gibt es denn so viele Leute, die sich viel bewegen, und trotzdem Schmerzen haben?

Bewegen ist eben nicht nur bewegen. Ein intensiver Sport zum Beispiel kann die Spannung im Körper verstärken. Zu viel Dehnung hingegen kann auf Dauer Bänder und Gelenke schädigen. Anstatt Kraft und Flexibilität zu steigern, macht Überdehnung instabil und verletzungsanfällig. Es kommt also auf das Mass der Bewegung an, die Intensität und natürlich auch die Vielfalt.

Peter Schwind ist Rolfer und Heilpraktiker. In seinem Buch “Faszien- Gewebe des Lebens” plädiert er für ein speziell entwickeltes Faszien-Training. Damit spricht er unter anderem gezielt auch ältere Menschen an.

“Wenn wir verstehen, was im Alter mit wirklich allen Faszien geschieht, wird uns einleuchten, weshalb ein Übungssystem für die Faszien so wichtig ist. Bewegung der Muskeln ist gut für den alten Menschen. Muskelstärkung alleine ist aber nicht genug. Und zwar deshalb, weil die Stärkung der Muskeln unter Umständen den Körper noch mehr unter Druck bringt. Die Kombination Muskelstärkung und Steigerung der Faszienelastizität kann uns da weiterhelfen.

In diesem Zusammenhang sollten wir nicht vergessen, dass es sehr wichtig ist, zu welcher Art Sport wir uns entscheiden. Wir wissen bereits, dass beim Fasziensystem wie beim Nervensystem alles mit allem zusammenhängt. Aber es gibt Unterschiede, wie sich eine gute Spannung und eine destruktive Spannung im Rücken manifestieren, und Sport verändert die Spannung im Körper.”

Peter Schwind: Faszien, Gewebe des Lebens. Irisiana Verlag, 2014, S. 44

Die Thymusdrüse & ein Dank an unser Immunsystem

26.7.2020

Die Thymusdrüse liegt hinter dem Brustbein. Sie ist ein zweilappiges Organ, bei Neugeborenen zum Beispiel ist jeder Lappen ca. 6 cm lang und 2 cm breit. Als Organ des lymphatischen Systems produziert die Thymusdrüse weisse Blutzellen für die Immunabwehr (T-Lymphozyten).

Bereits in unserer Kindheit und Jugend wird in der Thymusdrüse die Basis für eine gesunde Immunabwehr gelegt: Die T-Lymphozyten (T-Zellen) lernen hier, körpereigene von körperfremden Strukturen zu unterscheiden. Nur so können Sie später Eindringlinge angreifen und Krankheiten abwehren.

Schule der Körperpolizei

Die Thymusdrüse also ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Wegen seiner Funktion wird der Thymus auch “Schule der Körperpolizei” genannt. Die Abwehrzellen werden im Knochenmark gebildet. Nachdem Sie den Thymus erfolgreich durchlaufen haben, gelangen sie in den Blutkreislauf und nehmen dort ihre Arbeit auf.

Doch diese “Schule der Körperpolizei” ist nur eine Schule auf Zeit. Zwar nimmt die Thymusdrüse bereits vor der Geburt des Menschen ihre Arbeit auf. Sie wächst bis zur Pubertät und erreicht ein Maximalgewicht von 50 Gramm. Danach beginnt der Thymus sich stark zurückzubilden und sein Gewebe wird durch funktionsloses Fettgewebe ersetzt. Die Ausbildung der Immunabwehr-Zellen ist zu diesem Zeitpunkt so gut wie abgeschlossen. Das Lymphsystem und die Milz übernehmen dann die Aufgaben der Drüse.

Die Thymusdrüse klopfen – was bringt das?

Manche Menschen sprechen davon, dass durch Klopfen die Thymusdrüse wieder “aufwacht”. Ob dadurch ein Organ, was sich zurückgebildet hat, tatsächlich reaktiviert werden kann, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Klar ist auf jeden Fall, dass wir dem Thymus viel zu verdanken haben.

Wenn wir also mit den Fingerspitzen sanft auf unser Brustbein klopfen, bringen wir unser Thymus-Gewebe in Schwingung. Was das bringt? Probiere es aus! Übrigens: Schon die alten Griechen sahen einen Zusammenhang zwischen Thymusdrüse und Lebensenergie. Das griechische Wort “Thymos” heisst übersetzt Lebenskraft, Leben, Seele, Gemüt. Erinnern wir uns also an diese Drüse und bringen sie sanft in Schwingung.

Es sitzt im Nacken!?

11.7.2020

Ich sitze im Kino in einem spannenden Film. Erst nach einer Weile wird mir bewusst, dass ich eigentlich meine Schultern auch mal wieder entspannen könnte. Ich hatte sie, ohne es zu merken, die ganze Zeit hochgezogen. Schulter- und Nackenmuskeln reagieren sehr subtil. Oft sind sie ein Indiz für Stress und emotionale Anspannung.

https://www.needpix.com/photo/download/1425439/people-texting-text-phone-mobilephone-cellphone-communication-technology-texting

Viele Menschen sitzen jeden Tag stundenlang mit gesenktem Kopf am Arbeitsplatz. Für den Nacken und die Schultern eine Qual! Gerade bei Computerarbeit kommt es nicht selten vor, dass man jahrelang die Schulter des “Maus-Arms” hochgezogen hält und in krummer Haltung vor dem Bildschirm sitzt.

Und was tun wir in der Freizeit? Viele, gerade junge Leute, verbringen auch ihre Freizeit mit gesenktem Kopf vor dem Handy-Display. Unsere filigranen Halsmuskeln sind dafür aber nicht gemacht. Das Halten des Kopfes in dieser Position ist für sie Schwerstarbeit: Bei einem Winkel von 60 Grad muss der Kopf bis zu 30 Kilogramm Gewicht aushalten.

Sprechen wir vom “Smartphone-Nacken”, meinen wir genau die daraus resultierende dauerhafte Verspannung. Aus dieser Fehlhaltung wird eine chronische Fehlbelastung. Später drücken die verkürzten, verpannten Nackenmuskeln auch noch auf die Nerven. Oft beginnt eine jahrelange Schmerzgeschichte. Die Durchblutung und Ernährung der verhärteten Nackenmuskeln ist stark erschwert. Ein Teufelskreis entsteht, wenn wir nicht an unserer Körperhaltung arbeiten und nicht durch Übungen gezielt gegensteuern.

Die Hüften – Dein Tor zur Freiheit?

18.6.2020

50 Millionen Schritte macht der Mensch in seinem Leben, ungezählte Male beugen, bücken, setzen, strecken oder drehen wir uns. Jedes Mal rotiert die Kugel in der Pfanne des Hüftgelenks. Nach dem Kniegelenk ist die Hüfte das zweitgrösste Gelenk des menschlichen Körpers.

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:H%C3%BCftgelenk_gesund.png

Das Knorpelgewebe schützt uns vor den Schmerzen, die wir spüren, wenn sich Knochen an Knochen reibt. Ist diese Gleitschicht lückenhaft oder gar aufgebraucht, drohen die Qualen der Hüftarthrose – mit Ausstrahlung in die Leiste, das Gesäss, den Oberschenkel oder bis ins Knie.

Während die klassische Medizin auf Schmerzmittel zurückgreift, arbeitet die Yoga-Therapie mit gezielten Übungen daran, die Beweglichkeit der Hüfte zu erhalten. Verspannte und verkürzte Hüft- und Beinmuskeln werden gelöst und gedehnt. Das Hüftgelenk, oft vom vielen Sitzen unbeweglich geworden, soll wieder lernen, sich flüssig in alle Richtungen zu bewegen. Die hüftumgebende Muskulatur sowie der untere Rücken wird gestärkt und die Beinachse vom Sprunggelenk bis zu Hüftgelenk exakt ausgerichtet. Eine bewegliche Hüfte kann in gewissen Fällen sogar eine Operation überflüssig machen. Roland Liebscher Bracht erklärt anschaulich wieso:

Deine Hüfte – DAS hat dir noch NIEMAND verraten! (Hüft-OP Unnötig?!)
Video von Liebscher & Bracht l Die Schmerzspezialisten

So gut, so einfach? Die Hüften – und nebenbei bemerkt auch die Schultern – werden im Yoga als „Tore zur Freiheit“ bezeichnet. Asanas für offene Hüften entlasten immer auch die Muskulatur in den Gelenken, die sich mit der Hüfte verspannen. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk und kann dreidimensional bewegt werden. Bevor wir in die Dehnung gehen, versuchen wir den Kopf des Oberschenkels, genannt Femurkopf, im Becken zu zentrieren, um die Hüfte während der Hüftöffnung oder der Oberschenkeldehnung in der Pfanne zu halten. Du kannst es kontrollieren, indem deine Leisten möglichst weich und „hohl“ bleiben.