Do’s and dont’s

25.07.2021

  • Do not just learn – experience
  • Do not just read – absorb
  • Do not just see – feel
  • Do not just talk – act
  • Do not just promise – prove
  • Do not just take – give
  • Do not just criticize – encourage
  • Do not just change – transform
  • Do not just dream – do

Rose und Lotus

16.07.2021

In der letzten Yogastunde schenkte mir eine Teilnehmerin eine Rose. Was für eine schöne Aufmerksamkeit! Ich habe mich darüber gefreut und ihr zuhause gleich etwas Wasser gegeben. Nun steht sie bei mir in der Küche. Mit ihrer rosa Farbe erinnert sie mich fast ein bisschen an eine Lotusblume.

In Indien gelten Lotusblumen als Symbol für Reinheit, Treue, aber auch für die Entfaltung der Welt. Die Lotusblume wächst in Seen und Teichen, in denen das Wasser schlammig und nicht immer besonders sauber ist. Aber selbst wenn sich Schmutzwasser über ein Lotusblatt ergiesst, bleibt es sauber. An einem Lotusblatt perlt alles ab.

Die indische Göttin des Glücks und des Wohlstandes ist Lakshmi. Sie wird oft sitzend auf einer Lotusblume dargestellt. Auch in den Händen hält sie diese Blüten. Und manchmal wird sogar gesagt, dass Lakshmi die Lostusblume selbst ist.

https://wiki.yoga-vidya.de/images/c/cc/Kamalatmika-auf-lotus.jpg

Feldenkrais im Löwenbräu

15.07.2021

Schon mal Feldenkrais gemacht? Um es gleich vorweg zu nehmen: Es war eine tolle Erfahrung. In der Ausstellung One Is Always a Plural lässt die Künstlerin Yael Davids eigene Arbeiten in Dialog mit Kunstwerken aus der Sammlung des Migros Museums für Gegenwartskunst treten. Für die Konzeption der Ausstellung und die Auswahl der Werke spielten die Grundprinzipien der Feldenkrais-Methode eine entscheidende Rolle. Yael Davids lädt die Besucher*innen ein, Kunst nicht nur zu «sehen», sondern via Körper und Bewegung einen weiteren möglichen Zugang zu finden.

Kunst «sehen» durch fühlen?

Nach dem Besuch der Ausstellung verbringe ich gut 90 Minuten auf dem extra dafür vorgesehenen gelben Filzteppich in einem fenstlerlosen Raum des Museums. An der Wand stehen Werke von verschiedenen Künstlerinnen. Ich sehe nackte, aufeinander gestapelte Frauenkörper und eine liegende Tänzerin. Es geht um Schwerkraft und Leichtigkeit. Sthira und Sukha würden wir im Yoga sagen. Wir machen verschiedenen Drehbewegungen in der Rückenlage. Yael Davids sitzt am hinteren Raumende auf einem Stuhl und spricht ins Mikrofon. Zwischen ihre Anleitungen streut sie immer wieder Textfragmente von den Künstlerinnen – oder nimmt sie uns auch mit in ihre eigene Gedankenwelt?

Es waren ruhige 90 Minuten. Die Künstlerin, nebenbei auch ausgebildete Feldenkrais-Lehrerin, schafft interessante Verbindungen. Nach der Lektion fühle ich mich ruhig und geordnet. Und ich habe Lust, gleich nochmal durch die Ausstellung zu gehen. Sehe ich die Bilder nun anders?

Wer war Moshé Feldenkrais?

Moshé Feldenkrais (1904-1984), war Physiker und studierte die Zusammenhänge zwischen Bewegung, Wahrnehmung, Denken und Fühlen. Aus dieser Erkenntnis der engen Wechselwirkungen entwickelte er seine Bewegungsmethode. Sein Grundgedanke: Neue Bewegungen schaffen neue Strukturen für das Nervensystem und das Gehirn.

Neuroplastizität heisst die lebenslange Fähigkeit des Gehirns, zu lernen und sich zu verändern. Doch Feldenkrais ist weder der erste noch der einzige Bewegungslehrer, der sich damit befasst hat. Auf die natürliche Lernfähigkeit des menschlichen Nervensystems baut beispielsweise auch der Yoga. Die Fähigkeit des Nervensystems, neue Verknüpfungen im Gehirn aufzubauen, ist ein elementarer Bestandteil jeder echten Veränderung. Das Prinzip scheint aktueller denn je. Nicht nur in der Feldenkrais-Methode.

Wo und wann?

Noch bis zum 5. September 2021 bietet das Migros Museum
Feldenkrais- Lektionen von professionellen Lehrer*innen. Vor- und nach den Lektionen besteht die Möglichkeit, sich die Ausstellung anzuschauen.

Von Hingabe, Flows und Kohärenz

19.03.2021

Stress ist ansteckend – Kohärenz aber auch: https://www.heartmathdeutschland.de/stress-ist-ansteckend-kohaerenz-aber-auch/

Was passiert eigentlich im Hirn, wenn wir glücklich sind? Uns was braucht es, um diesen Zustand zu erreichen? Der Neurobiologe Gerald Hüther sprach vor Kurzem dazu auf dem Flow! Online-Summit 2021.

Gerald Hüther über das Glücksgefühl “Flow”, März 2021

Wir Menschen sind und bleiben ja alle Suchende. Wir müssen erst herausfinden, worauf es für ein gelingendes und glückliches Leben ankommt. Dabei laufen wir ständig Gefahr, uns in uns selbst und mit anderen zu verwickeln. Oder uns gar auf dieser Suche zu verirren. Auch ich habe mich in meinem Leben oft genug geirrt und verwickelt, aber wie sonst hätte ich lernen können, mich daraus auch immer wieder zu befreien?

https://www.gerald-huether.de/

Der Zungenbeinmuskel: ein Muskel für den Flügelschlag?

2.10.2020

Foto: Pixabay

Der Zungenbeinmuskel (Musculus Omohyoideus), verläuft vom Boden des Mundes, also unter der Zunge, bis zu den Schulterblättern. Um seine Funktion zu erkennen, lohnt sich ebenfalls ein Ausflug in die Evolution: Als unsere Vorfahren noch als Flugsaurier unterwegs waren, soll genau dieser Muskel für den Flügelschlag zuständig gewesen sein. Ob wir also tatsächlich immer noch ein Relikt dieses Flügelmuskels in uns tragen? Schauen wir kurz auf seine Funktion: Der Omohyoideus mag für die Balance des Unterkiefers und der Schulter einen kleinen Beitrag leisten. Aber oft ist er vor allem als Störenfried an der Schulter aktiv. Er gehört daher zu den Muskeln, die bei der Behandlung von Nacken- und Schulterproblemen beachtet werden müssen.

Das Reptiliengehirn ist schuld

11.9.2020

Foto: Pixabay

Ein unkontrollierter Wutausbruch? Panikattacke? Schweissausbruch? Vielleicht ist Dein Reptiliengehirn schuld daran. Nun aber etwas genauer: Was in aller Welt haben wir mit einem Reptil gemeinsam?

Die Evolution hat einen grossen Umbau geleistet, um uns zu dem zu machen, was wir heute sind. Die Frage ist nun, wie genau sich unser Gehirn entwickelt hat. Forscherinnen und Forscher diskutieren schon seit Längerem über Areale unseres Gehirns, deren Wurzeln weit in die Vorzeit der menschlichen Evolution zurückreichen. So soll das “Reptilienhirn” ein solches Überbleibsel sein und beim Menschen absolut unkontrollierbare Emotionen auslösen.

Das Modell des “Triune Brain” von Paul McLean

Ein Verfechter des sogenannten Reptiliengehirns ist der Hirnforscher Paul MacLean. Der amerikanische Wissenschaflter hat sich an der Evolution orientiert und die Hirnareale bereits in den frühen 60er-Jahren in drei Regionen aufgeteilt:

  • Der Hirnstamm und das Zwischenhirn gehören für MacLean zum “protoreptilischen Gehirn“, kurz Reptilienhirn. Dieses sei die niedrigste und stammesgeschichtlich älteste Form des Gehirns. Es steuere angeborene Instinkte, besitze nur bedingte Lernfähigkeit und ermögliche noch kein Sozialverhalten.
  • Das limbische System sei ein „Versuch“ der Natur, ein individuelles Bewusstsein zu entwickeln, Gedächtnisinhalte zu bilden, die ausserdem auch affektiv und emotional gefärbt sein können.
  • Erst durch den Neokortex seien wir in der Lage, kognitiv und logisch zu denken und die Affekte und Impulse des limbischen Systems zu kontrollieren.
https://traumata-verstehen-lernen.jimdofree.com/trauma-und-k%C3%B6rper/trauma-und-gehirn/

Umstrittene Theorie

Diese Aufteilung von Mc Lean hat sich in der Wissenschaft nicht gehalten. Die Datenlage zeige, dass auch die frühesten Säugetiere bereits einen Neocortex entwickelt hätten und zum Beispiel Vögel und Reptilien dem Neocortex ähnliche Gehirnregionen hätten, schreibt Wikipedia. Wohlgemerkt sind die kognitiven Leistungen mancher Vögel, etwa in der Sprache oder der Werkzeugherstellung, nicht geringer als bei Menschenaffen.

Was ist also dran an der Vorstellung des Reptiliengehirns? Die Vorstellung, dass verschiedene Areale unseres Gehirns für verschiedene Funktionen zuständig sind, ist gar nicht so falsch. MacLeans chronologische Vorstellung der Evolution unseres Gehirns ist aber streng wissenschaftlich widerlegt. Klar ist: Unser Gehirn hat sich entwickelt und wird sich auch in Zukunft weiter entwickeln. Der Umgang mit unseren Emotionen wird dabei ein Thema bleiben.

Von der Mobilität und der Motilität der Organe

23.8.2020

Nicht nur unser Körper bewegt sich. Auch unsere Organe. Dabei gibt es zwei Grundformen der Organbewegung – die sogenannte Mobilität und die Motilität.

Kommen wir zunächst zur Mobilität: Beim Atmen schiebt unser Zwerchfell die Organe entlang einer festgelegten Achse hin und her. Diese Organbewegung sieht der Arzt zum Beispiel auf einem Ultraschallbild.

Bei der Motilität ist etwas ganz anderes gemeint. Diese Bewegung wurde vom französischen Osteopathen Jean-Pierre Barral entdeckt. Er beobachtete, dass sich Organe auch unabhängig von der Atmung subtil bewegen. Diese Bewegung folgt einem gewissen Grundrhythmus. Sie schiebt die Organe entweder auf die Körperachse zu oder von ihr weg. Ihr Rhythmus und ihre Amplitude sind völlig unabhängig von unserer Atembewegung.

https://youtu.be/yRpJvPpJGsM

Wir können diese Bewegung mit unseren Händen nur spüren, wenn wir mit dem jeweiligen Organ Kontakt aufnehmen. Jean-Pierre Barral hat auf dieser Entdeckung seine “viszerale Osteopathie” aufgebaut.

Unsere Schultern – ein Barometer für Anspannung?

16.8.2020

Du hast einen strengen Tag, ein schwieriges Gespräch steht Dir bevor oder Du bist einfach nervös. Und dann entspannst Du Dich: Du rollst Deine Schultern sanft nach unten, hinten, innen und Du atmest durch. Es fällt auf: Unsere Schultern sind für Emotionen anfällig. Warum nur nehmen wir Anspannung oft zuerst in den Schultern wahr?

Die Schulter ist unser beweglichstes Gelenk. Eine derart ausgeprägte Beweglichkeit macht für spontane Anpannung durchlässig. Wäre die Schulter so stabil wie die Hüfte, würde sie Spannungen, die anderswo im Körper ihren Ursprung haben, nicht so direkt übernehmen. Unsere Hüften sind in sehr stabile Bänder eingepackt. Diese machen das Gelenk fest und stark – schliesslich müssen wir auf zwei Beinen stehen können. Ein solches Gewicht wie die Hüften müssen unsere Schultern nicht tragen. Bei den vierbeinigen Primaten beispielsweise ist das anders.

Leichte Schultern, leichter Kiefer


Seit der Entwicklung des aufrechten Gangs sind beim Menschen die Schultergelenke immer “luftiger” geworden. Ebenso der Kiefer: Während der Evolution hat sich der Gesichtsschädel vom Oberkiefer bis zur unteren Partie der Augen zu einer Art “Leichtbauweise” entwickelt. Schultern und Kiefer wurden im Lauf der Zeit nicht nur feiner, sondern auch sehr viel leichter. Deshalb sind sie auch so sensibel – und ein guter Barometer für unser aktuelles Wohlbefinden.

Ob wir “eine schwere Last auf den Schultern tragen”, oder ob wir uns “durch etwas durchbeissen”: Diese Redewendungen sind kein Zufall. Unser Organismus bringt unsere emotionale Verfassung recht schnell über die Haltung der Schultern und über muskuläre Spannung im Kiefer zum Ausdruck. Wird eine solche Anspannung chronisch, kann sie sich im Körper auch für längere Zeit festsetzen.

Bewegen: ja! Aber wie genau? Wie oft? Wie stark?

5.8.2020

https://www.publicdomainpictures.net/de/view-image.php?image=20381&picture=dehnung

Bewegung soll ja gesund sein. Warum nur gibt es denn so viele Leute, die sich viel bewegen, und trotzdem Schmerzen haben?

Bewegen ist eben nicht nur bewegen. Ein intensiver Sport zum Beispiel kann die Spannung im Körper verstärken. Zu viel Dehnung hingegen kann auf Dauer Bänder und Gelenke schädigen. Anstatt Kraft und Flexibilität zu steigern, macht Überdehnung instabil und verletzungsanfällig. Es kommt also auf das Mass der Bewegung an, die Intensität und natürlich auch die Vielfalt.

Peter Schwind ist Rolfer und Heilpraktiker. In seinem Buch “Faszien- Gewebe des Lebens” plädiert er für ein speziell entwickeltes Faszien-Training. Damit spricht er unter anderem gezielt auch ältere Menschen an.

“Wenn wir verstehen, was im Alter mit wirklich allen Faszien geschieht, wird uns einleuchten, weshalb ein Übungssystem für die Faszien so wichtig ist. Bewegung der Muskeln ist gut für den alten Menschen. Muskelstärkung alleine ist aber nicht genug. Und zwar deshalb, weil die Stärkung der Muskeln unter Umständen den Körper noch mehr unter Druck bringt. Die Kombination Muskelstärkung und Steigerung der Faszienelastizität kann uns da weiterhelfen.

In diesem Zusammenhang sollten wir nicht vergessen, dass es sehr wichtig ist, zu welcher Art Sport wir uns entscheiden. Wir wissen bereits, dass beim Fasziensystem wie beim Nervensystem alles mit allem zusammenhängt. Aber es gibt Unterschiede, wie sich eine gute Spannung und eine destruktive Spannung im Rücken manifestieren, und Sport verändert die Spannung im Körper.”

Peter Schwind: Faszien, Gewebe des Lebens. Irisiana Verlag, 2014, S. 44