Author Archives: Sophie Graf

Migräne, Du meine Freundin

05.01.2022

Foto: Pixabay

Liebe Migräne,

Dir einen Liebesbrief zu schreiben, wäre ja ein bisschen absurd. Was hast Du mir bereits an Lebenszeit genommen, an Spass verleidet. Ja sogar ganze Ferienwochen hast Du mir gründlich vermiest. Dir verdanke ich einsame Abende statt rauschende Feste, hämmernde Schmerzen, einen unsäglichen Nebel im Kopf und lähmende Übelkeit. Wegen Dir trinke ich keinen Alkohol und rauche nicht, auch wenn ich dazu manchmal Lust hätte. Warum sollte ich Dir also danke sagen?

Durch Dich lernte ich mich besser kennen. Lernte, die Art der muskulären Spannungen zu lesen, durch die du deine Attacken meistens ankündigst. Lernte, die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit zu nehmen. Meinen inneren Schweinehund zu überwinden, um zweimal in der Woche joggen zu gehen. Auch bei blödem Wetter, bis mein Knöchel dabei zu Bruch ging. Lernte, dass nichts selbstverständlich ist. Mit Dir begab ich mich auf Erkundungstour in die Welt der Neurologie und Komplementärtherapie. Fast nichts, was ich nicht probierte. So traf ich unter anderem auf eine nette Shiatsutherapeutin, die mir immer wieder gut zuredete, auf einen Masseur, der sich als Physiotherapeut ausgab, oder auf eine Akupunkteurin, die mich in der Pause auf der Liege vergass. Und auf viele weitere Menschen, die mich alle auf ihre Art ein Stückchen weiter brachten.

Mein Kopf besteht aus Haut, Schädelknochen und Membranen, durch die unzählige feine Nerven- und Blutbahnen führen. Seine Struktur hat mich schon immer fasziniert. Wann fühlt sich ein Kopf leicht an, welche Mechanismen müssen dafür im Gleichgewicht sein? Und wo genau kondensiert sich die Energie im Kopf, wenn er fast platzt, oder eben pocht, hämmert, wabert, schmerzt? So langsam fügte sich eins zum anderen als ich begann, einzelne Strukturen des Schädels zu zeichnen. Ist so ein Kopf nicht ein Wunderwerk der Natur?

Die Entdeckungsreise ist noch nicht zu Ende. Durch die Auseinandersetzung mit meinem Kopf lernte ich, die feinen Bewegungen der Schädelknochen gegen- und aneinander zu spüren. Ich bekam ein Gefühl für die Aktivität der vier Hirnventrikel, für die beiden Hirnhälften und für die Membran dazwischen. Jetzt weiss ich, was Falx und Tentorium sind, das foramen magnum oder der sinus rectus. Ich kenne die Hirnnerven, die Becker-Schritte, den Vault hold — und im Fachchinesisch werde ich immer besser. Auch ist mir nun klar, warum ich gerne Mützen trage, aber Helme absolut nicht mag. Mein Kopf braucht Freiheit! Und Bewegung.

Liebe Migräne, dank Dir bin ich noch bis im Herbst 2024 in einer 3-jährigen Ausbildung als Craniosacraltherapeutin am Dasein-Institut in Winterthur. Vielleicht werde ich eines Tages mit anderen Migräne-Betroffenen arbeiten. Und dann werde ich wissen, wie sich Deine fiesen Attacken jeweils anfühlen können.

Bei mir bist Du zum Glück ein seltener Gast geworden. Ab und zu kommst Du vorbei und erinnerst mich, dass es Dich noch gibt. Dann schlägst Du zu. Und erinnerst mich daran, was ich durch Dich alles erfahren und erleben durfte. So gesehen: Danke Dir, Migräne!

Bauchübungen: muss das wirklich sein?

02.01.2023

Foto: Pixabay

Gehörst Du auch zu den Menschen, die Bauchübungen nicht besonders mögen? Keine Sorge, Du bist nicht alleine. Aber: Regelmässige Übungen für die Körpermitte sind wichtig. Sie haben ganz konkrete Vorteile:

  • Dein Rücken bleibt stark und flexibel. Mit regelmässigem Bauchtraining kannst Du aktiv Rückenschmerzen vermeiden. Auch Rückenverletzungen gibt es deutlich weniger bei Personen, die moderat, aber regelmässig trainieren.
  • Rückenschmerzen oder Steifheit lassen nach, so dass Du Dich bequem bewegen und sitzen kannst. Auch Deine Schlafqualität kann sich durch regelmässige Bewegung verbessern.
  • Dein Gleichgewicht und Deine Stabilität wird stärker. So kannst Du unangenehme Stürze vermeiden.
  • Du kannst längere Spaziergänge machen — und dies mit grösserer Leichtigkeit.
  • Du erhältst die Kraft und Flexibilität zurück, die Du für alltägliche Bewegungen wie zum Beispiel Bücken, Drehen und Heben benötigst.
  • Du baust die nötige Kraft und Beweglichkeit auf, die Du auch im Beruf brauchst, zum Beispiel beim stundenlangen Stehen oder Sitzen am Schreibtisch.
  • Du hast mehr Kraft für Aktivitäten, die Dir Spass machen: Gartenarbeit, Wandern, Schwimmen — oder jede andere aktive Betätigung.
  • Deine Körperhaltung verbessert sich, Deine Figur wird optisch schöner und Deine Taille strafft sich.

Genug der Argumente? Jetzt musst Du es nur noch tun. Wie wir wissen, dauert es mindestens 48 Tage, bis ein gefasster Vorsatz zur Gewohnheit wird. Komme also regelmässig ins Yoga, nimm Dir dazwischen täglich einen kleinen Mini-Bewegungsvorsatz und lass Dich inspirieren. In unseren regelmässigen Stunden werde ich schauen, dass Deine Routine immer wieder neue Abwechslung bekommt.

Wintersonnenwende — Ritual der fünf Lichter

21.12.2022

«Golden universe», Dezember 2022

Dunkler wird es nicht mehr. Zur Thomasnacht, auch Wintersonnenwende genannt, sind wir am kürzesten Tag des Jahres angelangt. An diesem Tag erreicht die Sonne die geringste Mittagshöhe über dem Horizont — zumindest bei uns, auf der Nordhalbkugel der Erde.

Rauhnächte – Zeit für eine innere Reise

Je nach Region und Rechnung haben die Nächte um den Jahreswechsel eine besondere Bedeutung. Sie werden auch Rauhnächte genannt. Ihr Ursprung geht vermutlich auf die Zeitrechnung des Mondjahrs zurück. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten hat nämlich nur 354 Tage. Fehlen also elf Tage bzw. zwölf Nächte, um wieder in Übereinstimmung mit den 365 Tagen des Sonnenjahrs zu sein. Diese «leeren Tage» gelten traditionell als Tage ausserhalb der Zeit. Sie eignen sich daher besonders, um auf eine innere Reise zu gehen und der eigenen Lebensspur zu folgen.

Ritual der fünf Lichter

So wie die Bäume ihre Blätter im Winter verlieren, ist es auch für uns Zeit, loszulassen und uns auf etwas Neues vorzubreiten. Wir lassen das alte Jahr ausklingen und machen uns auf zu unseren innersten Zielen und Prioritäten. Worum geht es uns wirklich? Unsere Wünsche manifestieren wir kraftvoll mit einem Ritual. Wir benötigen dafür fünf Kerzen.

Das erste Licht steht symbolisch für die Vergangenheit. Was war besonders wichtig für Dich in letzter Zeit? Gab es Ereignisse oder Momente, die Dir besonders zu schaffen gemacht, Dir den Nerv geraubt haben? Lasse alles zu, was aufkommt, ohne die einzelnen Erinnerungen zu bewerten und zu beurteilen. Es ist Zeit für eine kurze Rückschau.

Das zweite Licht steht symbolisch für die Überwindung Deiner Schwierigkeiten. In welchen Situationen hast Du besonderen Durchhaltewillen, besonderen Mut bewiesen? Anerkenne und feiere diese Stärke in Dir — es gibt so Vieles, was Du gut geschafft hast! Es ist Zeit, Dir selbst dafür Danke zu sagen.

Das dritte Licht steht symbolisch für die Zukunft. Was wünschst Du Dir speziell für die kommende Zeit? Wohin soll Dich Deine Lebensspur führen? Was ist Dir wirklich wichtig? Und was davon kannst Du selbst beeinflussen? Überprüfe Deine innere Einstellung und Dein Verhalten, wenn es um Deine Zukunft geht, und lasse Deinen Wünschen und Sehnsüchten für einmal freien Lauf.

Das vierte Licht steht symbolisch für Deine Gesundheit. Spüre die Oberfläche Deines Körpers, Deine Haut und gehe dann eine Schicht tiefer zu den Muskeln, Geweben und Organen. Lasse das Licht dann all Deine Zellen erhellen. Nehme wahr, was das Innere Deiner Zellen zusammenhält und lass Dich ganz — durch alle Schichten hindurch — mit Gesundheit erfüllen. Fühle Dich erfrischt und gesund.

Das fünfte Licht steht symbolisch für die Kraft der Sonne. Werde Dir der Kraft des Universums bewusst und lasse zu, wie sich die Kraft der Sonne auch in Dir selbst voll entfaltet. Geniesse diese Wärme und sie dann an Deine Umgebung weiter. Verschenke dieses innere Licht an alle Menschen, denen Du begegnest.

Auf ein kraftvolles, positives 2023!

Himmel und Hölle

14.09.2022

Ein mächtiger Samurai beschloss eines Tages, seine spirituelle Bildung zu vertiefen. So machte er sich auf, einen buddhistischen Mönch zu suchen, der als Einsiedler hoch in den Bergen lebte. Als er ihn gefunden hatte, trat er gebieterisch vor ihn hin und forderte er: «Lehre mich, was Himmel und Hölle sind!»

Der alte Mönch sah langsam zu dem Samurai auf, der mächtig über ihm stand, und musterte ihn von Kopf bis Fuss. «Dich lehren?» spottete er. «Du musst sehr dumm sein, wenn du denkst, ich könnte dich etwas lehren. Schau dich an, du bist unrasiert, du stinkst, ausserdem ist dein Schwert ganz verrostet!»

Der Samurai geriet in grosse Wut. Sein Gesicht wurde rot vor Zorn. Er zog sein Schwert, um dem lächerlichen aufgeblasenen Zwerg von Mönch, der da vor ihm sass, seinen unverschämten Kopf abzuschlagen. «Das», sagte der Mönch ruhig, «ist die Hölle!»

Der Samurai liess sein Schwert fallen. Er war verblüfft. Dann überkam ihn die Einsicht in die Wahrheit dieser Worte. Er bereute seinen Stolz und seine Neigung zu Hass und Gewalt und verspürte schliesslich eine tiefe Zuneigung zu dem alten Mann. Dass dieser Mensch sein Leben riskiert hatte, um ihm, einem völlig Fremden, die tiefste Weisheit zu lehren, erfüllte sein Herz mit Liebe und Mitgefühl. Tränen der Freude stiegen in seine Augen. Und er lief auf den Mönch zu, um ihn zu umarmen.

«Und das», sagte der Mönch ruhig, «ist der Himmel!»

 überliefert

Gesundheit: ein dynamisches Geschehen

21.08.2022

Bist Du gesund? Manchmal ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Einfacher wäre vielleicht: Wie gesund bist Du genau? Im Zuge meiner Ausbildung zur Körpertherapeutin befasste ich mich mit einigen theoretischen Grundlagen zum Thema Gesundheit. Einige Gedanken daraus fand ich spannend genug, um sie hier festzuhalten.

Schon die WHO definiert Gesundheit als subjektives Gefühl von körperlichen, geistigen und sozialem Wohlbefinden. Die Organsation der Arbeitswelt KomplementärTherapie (OdA KT) führt dies in ihrem Grundlagenpapier etwas aus:

  • Gesundheit ist ein mehrdimensionales Phänomen. Es ist abhängig von körperlichen seelisch-geistigen, sozialen und materiellen Ressourcen.
  • Gesundheit ist eine individuelle Erfahrung und ergibt sich aus dem subjektiven Erleben des Menschen, das stetigen Veränderungen unterliegt.etwas Ganzheitliches. Etwas, das also nicht nur den Körper betrifft, sondern gleichermassen auch Seele, Geist und unser Umfeld.
  • Gesundheit und Krankheit sind nicht polare Zustände, sondern gehen fliessend ineinander über. Der Mensch ist somit nicht entweder gesund oder krank, sondern erlebt verschiedene Grade von Wohlbefinden oder eben Beeinträchtigung.

Wollen wir also wirklich gesund werden, müssen wir folgende Bereiche stärken:

  • Selbstregulation
    Unser System kann sich selbst regeln. Ist diese Regulierungsfunktion gestört, kommt es zu einem Ungleichgewicht. Dies wiederum kann vielseitige Beschwerden auf körperlicher oder seelischer Ebene auslösen.
  • Selbstwahrnehmung
    Eine differenzierte Körperwahrnehmung kann Bewusstseinsprozesse auslösen, so dass der Mensch krankmachende bzw. auch gesundheitsfördernde Aspekte in seinem Verhalten und in seinen Lebensbedingungen erkennt.
  • Genesungskompetenz
    Hat man einmal Bewschwerden, braucht man die Fähigkeit, seine eigenen körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte optimal für den Genesungsprozess einzusetzen.

Körpertherapien aller Art helfen natürlich genau in diesem Sinne. Von der Trägerschaft der Höheren Fachprüfung für KomplementärTherapie (OdA KT) sind im Moment 22 verschiedene Methoden anerkannt. Auch die Yogatherapie gehört seit 2015 dazu. Einen Grundstein dafür legte übrigens ein Verfassungsartikel, den Volk und Stände in der Schweiz mit überragenden 67 Prozent angenommen hatten. Das war 2009. Seither wird Komplementärmedizin in Anwendung, Lehre und Forschung immer mehr berücksichtigt. Auch dies ein Zeichen dafür, dass diese Therapiemethoden ihren Platz in unserem System verdient haben.

Was ist Yogatherapie? Ein Überblick

09.05.2022

Yogatherapie
© 2015, Ivan Blanco Vilar

Im Unterschied zu «einfach Yoga» ist Yogatherapie die Anwendung der klassischen Yoga-Techniken auf konkrete Beschwerden. Das Wort «Therapie» meint üblicherweise die Behandlung von Krankheiten. Dabei nimmt der Klient oft eine eher passive Rolle ein. In der Yogatherapie hingegen arbeitet die zu behandelnde Klientin aktiv an der Verbesserung ihres Wohlbefindens mit.

Rückenweh, Schlaflosigkeit oder eine bevorstehende Knie-OP: Oft ist ein bestimmter Schmerz oder ein bestimmtes Problem der Grund, weshalb Leute in die Yogatherapie kommen. Und genau hier beginnt die gemeinsame Reise. Schmerz entsteht letztlich durch Nervenimpulse im Gehirn. Dabei können Betroffene oft mehr tun, als zunächst angenommen.

Zum Beispiel Knieschmerzen

Nehmen wir an, eine Klientin hat Knieschmerzen. Viele Ärzte hat sie deswegen schon konsultiert, viele Internetseiten besucht. Nun hat sie die Wahl. Sie kann sich mit den Knieschmerzen identifizieren. Also «diejenige mit dem kaputten Knie» sein. Und alle ihre Handlungen darauf ausrichten: auf das, was schmerzt, was kaputt ist und was «nicht mehr funktioniert». Eine andere Möglichkeit wäre, herauszufinden, welche Bewegungen sie trotz ihres schmerzenden Knies noch gut machen kann. Gibt es eine Möglichkeit für sie, sich schmerzfrei hinzusetzen? Und wieder aufzustehen? So lernt die Klientin neue, vielleicht für sie ungewohnte Bewegungen. Gleichzeitig konzentriert sie sich auf etwas Positives – und stärkt damit ihre Zuversicht.

Die Macht der Zuversicht

Yogatherapie kann nicht zaubern. Und manchal auch keine notwendige Operation ersetzen. Unzählige Studien belegen aber die heilende Wirkung echter, von innen heraus gewonnener Zuversicht. Wir haben die Wahl, uns entweder mit den Schmerzen zu identifizieren oder mit den noch vorhandenen Kompetenzen unseres Körpers. Viele Orthopäd*innen raten zudem allzu schnell zu einer Operation. In der Yogatherapie versuchen wir gezielt, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dies kann vor einer Operation sinnvoll sein, alternativ dazu, oder natürlich in der Nachsorge. Auch bei psychischen Krankheiten, Stress oder Schlaflosigkeit gibt es gute Erfolge mit Yogatherapie.

Es macht keinen Sinn, einmal pro Woche im Yogaunterricht die Wirbelsäule aufzurichten, um dann schon auf dem Weg nach Hause wieder in den gewohnten Rundrücken zu verfallen.

Kleine Gewohnheiten im Alltag

Egal um welches Symptom es sich handelt: Yogatherapie fängt mit dem Machbaren an. Ganz konkret nehmen wir auch die kleinen Alltagsbewegungen unter die Lupe, denen sonst niemand Beachtung schenkt . Wie stehst Du am Morgen auf? Wie setzt Du Dich auf den Stuhl? Wie stehst Du wieder auf?
Es macht keinen Sinn, einmal pro Woche im Yogaunterricht die Wirbelsäule aufzurichten, um dann schon auf dem Weg nach Hause wieder in den gewohnten Rundrücken zu verfallen. Wenn wir also damit anfangen, auch im Alltag unsere Bewegungen «therapeutisch» auszuführen, können wir viel erreichen. Neurologisch gesprochen arbeiten wir dann mit Neuroplastizität, also mit der Fähigkeit des Gehirns, sich so zu verändern, dass es optimal auf neue äusserliche Einflüsse und Anforderungen reagieren kann. Dabei werden auch neue Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen (Synapsen) gebildet. Indem wir uns also erlauben, aus den gewohnten Mustern der Alltagsbewegungen auszubrechen, erlauben wir auch unserem Nervensystem, sich weiterzuentwickeln.

10 funktionelle Fertigkeiten der Yogatherapie

In der Yogatherapie lernen wir also, uns neu – nach den eigenen Möglichkeiten – zu bewegen.  Wie sieht zum Beispiel eine gesunde Aufrichtung der Wirbelsäule aus? Welche Übungen helfen konkret, einem drohenden Bandscheibenvorfall entgegenzuwirken? Das Bewegungssystem braucht Bewegung, um gesund zu bleiben, «the locomotive system needs locomotion», sagen Günter Niessen und Katharina Lehmann. Zu ihrem Ansatz der Yogatherapie gehören die folgenden 10 funktionellen Dimensionen: Schmerzfreiheit, Achtsamkeit, Entspannung, positive Gefühle, Kraft und Ausdauer, Stabilität, Alignment (besonders unter Belastung), Mobilisation und Traktion, Bewegungsradius, Flexibilität, Koordination und Gleichgewicht, Kreativität sowie Entgiftung und Alltag. Dies mag zunächst alles banal klingen, ist aber sehr umfassend. Die meisten dieser Prinzipien haben eine Entsprechung in den Yoga sutra, einem zentralen Ursprungstext des Yoga,d er zwischen 800–1200 n.Chr. entstanden sein soll.

Bewegung für die Knochen

Schauen wir nun auf unser Bewegungssystem im Detail und beginnen wir bei den Knochen. Über 200 verschiedene Knochen bilden unser Stützsystem. Dabei ist dies keineswegs statisch. Rund 7 % unserer Knochen bilden sich jede Woche neu! Das Knochenmark ist gut durchblutet. Es ist für die Neubildung unserer Blutzellen verantwortlich und zu einem grossen Teil für unser Immunsystem. Knochen haben auch einen Einfluss auf unseren Stoffwechsel. Wollen wir unseren Knochen etwas Gutes tun, setzen wir sie einer gewissen Belastung aus, denn Druck ist der Bildungsreiz der Knochen.   

Im Yoga praktizieren wir deshalb zum Beispiel den Vierfüssler (Majariasana), den Hund (Adho mukha svanasana), den Stuhl (Utkatasana) oder verschiedene Stütz- und Standpositionen.

Knorpel brauchen Zug und Druck

Abhängig von der Durchblutung der angrenzenden Knochen sind die Knorpel. Sie wirken als Stossdämpfer und sorgen dafür, dass unsere Gelenke sich möglichst ohne Reibung bewegen können. Weil sie aber in der Belastungszone keine ernährenden Blutgefässe haben, sind sie eher zäh, träge und heilen schlecht. Ihre Nährstoffe beziehen sie durch Diffusion aus der Gelenkflüssigkeit. Dabei funktionieren unsere Knorpel wie ein Schwamm. Um gesund zu bleiben, brauchen sie nicht nur Druck, sondern auch Zug. Druck und Zug ist der Bildungsreiz der Knorpel.

Im Yoga bedeutet diese, dass wir unsere Gelenke auch mal unter Zug hängen lassen oder eben Zug und Druck auf die Gelenke ausüben.

Muskeln: Zwischen An- und Entspannung

Unsere rund 650 Muskeln sind verantwortlich für unsere Haltung, Kraft, Ausdauer und Stabilität. Ausserdem schützen sie uns vor Schmerz! Deshalb ist es sehr wichtig, sie regelmässig zu kräftigen. Und dies machen wir, indem wir sie regelmässig an- und auch wieder entspannen. Während in der Anspannungsphase die Durchblutung des Muskels gedrosselt wird, kann sich der Muskel in der Entspannung wieder mit Nährstoffen versorgen.

Im Yoga gehen wir deshalb bewusst nach einer anstrengenden Übung in eine kurze Entspannung. Dies macht auch aus physiologischer Sicht absolut Sinn.

Yoga – ein unerschöpflicher Schatz

Eine regelmässige, ausgeglichene Yogapraxis enthält Kraft-, Stabilisierungs-, und Entspannungsübungen. Sie ist ein schier unerschöpflicher Schatz, für Gesunde, aber auch für Menschen mit körperlichen oder psychischen Beschwerden. Auch aus Sicht der modernen Medizin hat Yoga auf dem Weg zur Heilung Einiges zu bieten. Wir müssen nur bereit sein, es zu entdecken.

«Yoga ist das, was wir tun können»

25.03.2022

Bild: www.zazzle.ch

Es gibt Tage, an denen wir wie hypnotisiert auf die Kriegsnachrichten starren. Tage, an denen wir wütend sind und uns hilflos fühlen. Und Tage, an denen wir uns schämen, weil wir unser Leben ganz normal weiterleben. Das ist normal. Trotzdem sollten wir uns nicht abwenden.

Krieg in Europa. Das Wichtigste, was wir zurzeit tun können, ist im Vertrauen ins Leben zu bleiben. Mit Präsenz und innerer Stärke Mitgefühl zu fühlen. Und im Handeln Unterstützung für diejnigen geben, die leiden. Hier kann Yoga helfen: Bei sich, und gleichzeitig im Mitgefühl zu bleiben.

Und zwar nicht im Sinne der Verdrängung und auch nicht im Sinne der Ignoranz. Sondern dass wir auf das fokussieren, was wir uns statt Krieg, Unterdrückung und Leid wünschen. «Yoga ist das, was wir tun können», schreiben Günter Niessen und Katharina Lehmann von momentum regeneration in ihrem neusten Newsletter. Ich finde, sie haben recht.

Gerade in schwierigen Zeiten ist es ist wichtig, Freundlichkeit und Herzlichkeit weiterzugeben. Nicht nur auf der Yogamatte, sondern auch im Leben.

Ohne Yin kein Yang – und umgekehrt

09.02.2022

Die beiden Urkräfte Yin und Yang gehören zu den ältesten und fundamentalsten Grundbegriffen der chinesischen Philosophie und Medizin. Geprägt durch die Philosophien des Daoismus und Konfuzianismus, stammen sie aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Kultur.

White Mineral Yin-yang Jin Jang Black Bracelet. (Bild: Max Pixels)

Yin und Yang stehen für die Grundkräfte des Lebens. Sie bilden eine Einheit, sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Ihr Symbol soll die Wechselwirkung der polaren Kräfte (Hitze & Kälte, Tag & Nacht, etc.) veranschaulichen. Yin und Yang stehen sich gegenüber, ergänzen sich aber auch gegenseitig. Jedes kann nur durch die Existenz des anderen sein und enthält gleichzeitig einen Teil des anderen in sich.

Ausgewogenes Verhältnis

Die enge Verbindung von Yin und Yang können wir mit dem Bild einer brennenden Kerze etwas besser verstehen. Die Kerze steht für den Yin-Aspekt, sie ist fest und stabil, während die Flamme das Yang repräsentiert. Nie können beide gleichzeitig stärker oder schwächer werden. Nimmt etwa die Kraft der Flamme zu, brennt die Kerze umso schneller hinunter. Sind jedoch beide in einem ausgewogenen Verhältnis, brennt die Kerze langsam und ruhig.

Dynamisches Kräftefeld

Grundsätzlich beruht die chinesische Medizin auf dem Zusammenhang von Mikrokosmos und Makrokosmus, dem Prinzip von Yin und Yang oder den Gesetzmässigkeiten der fünf Wandlungsphasen. Yin ist nach innen und unten gerichtet, steht für Stabilität und Reservebildung, materielle Ansammlung, Ruhe, Erholung, Kühlung und Befeuchtung. Yang hingegen führt nach oben und aussen, steht für Bewegung, Aktivierung, Erwärmung, Wandlung und Transformation.

Auch bei einem gesunden Menschen befinden sich beide Kräfte im Gleichgewicht. Ist das Gleichgewicht zwischen Yin und Ying anhaltend gestört, wird der Mensch krank. Nach dem Verständnis der Traditionellen Chinesischen Medizin ist daher jede Krankheit auf ein Ungleichgewicht des dynamischen Zusammenspieles zwischen Yin und Yang zurückzuführen.

2021: Ein Rückblick..

..oder warum Veränderung so unbequem ist

Schon wieder ist ein Jahr vorbei. Ein spezielles. Zeit auf jeden Fall für einen Rückblick. Was waren die guten Momente im 2021, was war eher schwierig? Was möchte ich verändern und vor allem: Was hat das alles mit einem indischen Mandala zu tun?

Wenn es irgendwie geht, versuche ich die Zeit zwischen den Jahren für einen kurzen Rückzug zu nutzen. Bei ausgedehnten Spaziergängen in der Natur gelingt es mir relativ leicht aufzutanken, und mir zu überlegen, wo ich meine persönlichen Fokus für das kommende Jahr setzen möchte. Wovon möchte ich mich verabschieden? Und was an Neuem möchte ich in mein Leben einladen? Dies fragten wir uns auch in unserer alljährlichen Weihnachtsmeditation, die am 23. Dezember 2021 stattfand.

Von guten Vorsätzen

Jeden Tag Yoga machen? Mehr Sport? Sich gesünder ernähren? Mit unseren Vorsätzen ist es so eine Sache. Auch die Neuropsyschologie betont immer wieder, wie schwer es ist, neue Gewohnheiten zu etablieren. Irgendwie neigen wir dazu, zu früh aufzugeben. Besonders wenn wir älter werden, haben wir Schwierigkeiten, Bestehendes zu verändern und Neues zu entwickeln. Wir vergessen, bagatellisieren oder widersetzen uns, aktiv oder passiv. Veränderungs-prozesse sind unbequem.

48 Tage

Indische Philosophie und moderne Neuropsychologie treffen sich einmal mehr, wenn sie die einzige Strategie vorschlagen, die gegen das «Vergessen» von guten Vorsätzen hilft: Wiederholungen! Durch Wiederholungen werden unsere Denkmuster durchbrochen. Neue Gedanken und Handlungen automatisiert und somit neu in unser Bewusstwsein eingeprägt. Traditionell ist es in Indien üblich, eine neue Praxis in einem Zeitraum von 48 Tagen zu festigen. 48 Tage gelten dabei generell als Mandala: In dieser Zeit durchläuft der Körper einen bestimmten Zyklus. Das ist auch der Grund, warum zum Beispiel in Ayurveda die Medizin normalerweise 48 Tage lang gegeben wird. Diese Zeit ist notwendig ist, damit sie im System des Körpers nachhaltig wirken kann. Das Gleiche trifft auf neue Gewohnheiten zu. Es ist wichtig, dass diese während der ersten 48 Tage ohne Unterbrechung umgesetzt werden können.

Verinnerlichung durch Gewohnheit

Willst Du also eine Ernährungsumstellung oder eine neue sportliche Aktivität in dein Leben bringen, dann wiederhole solange, bis es zur Gewohnheit geworden ist, also mindestens ein Mandala lang. Nur dann wird sich deine innere Ordnung verändern. Indem Du regelmässig Yoga machst, Sport treibst oder dich gesünder ernährst, wird sich mit der Zeit auch Dein gesamtes Denken, Fühlen und Handeln anpassen. Ein Mandala hat also die Kraft, Deine Persönlichkeit zu verändern.

Die Gewohnheit ist übrigens der Grund, warum auch Yoga-Gruppenunterricht wirksam ist. Das Semesterabo macht die regelmässige Teilnahme einfacher und erleichtert uns die Routine, in dem es im Wochenplan einen festen Termin fürs Yoga freihält.

Was ist neu im 2022?

  • Die reguläre slowyoga-Klasse findet neu am Dienstagabend statt. Spezielle Yin-Yogastunden gibt es an einzelnen Donnerstagen. Hier besteht die Möglichkeit, in länger gehaltene Stellungen einzutauchen.
  • 1 x pro Monat gibt es wieder den slowyoga-«Club». Hier üben wir nach der regulären Stunde anspruchsvollere Rückbeugen, Drehungen, Armhaltungen oder Umkehrstellungen. Termine werden noch bekannt gegeben.
  • Ein spezielles Highlight ist bereits in Vorbereitung: Vom 9. bis 12. September 2022 laden wir euch ins Berner Oberland zum Yin & Yang Retreat. Eine schöne Gelegenheit, dir selber etwas Gutes zu tun. Nun musst Du sie nur noch nutzen :-).

Danke, dass ihr dabei seid! ich fühle mich geehrt, dass ich so regelmässig und schon so lange mit Euch praktizieren darf.

Do’s and dont’s

25.07.2021

  • Do not just learn – experience
  • Do not just read – absorb
  • Do not just see – feel
  • Do not just talk – act
  • Do not just promise – prove
  • Do not just take – give
  • Do not just criticize – encourage
  • Do not just change – transform
  • Do not just dream – do